Startseite Aufwärts Beerbaum Beiersdorf Blumberg Blumenthal Boernicke Freudenberg Heckelberg Hirschfelde Krummensee Leuenberg Loehme Schoenfeld Seefeld Tiefensee Trampe Weesow Wegendorf Werneuchen Werftpfuhl Wesendahl Willmersdorf

 



Startseite
Aufwärts


Testen Sie ihre Orientierung in Werneuchen.


Regionale Feuerwehren


Nachrichtenarchive

2005

2006

2007

2008


 

 

Es ist der 16. April 1945. Wehrmachtsangehörige zerstören die Streckengleise von Wriezen bis Werneuchen. An der Oder tobt eine erbitterte Abwehrschlacht. Die Rote Armee beginnt mit einer Artillerievorbereitung von bisher unbekannter Stärke vom Küstriner Brückenkopf aus die "Berliner Operation". Während dessen ist Frieda, eine junge Frau mit ihrer Mutter im Wald am Gamensee an der Straße nach Prötzel um Holz zu machen und für den Abtransport nach Hause an der Straße bereit zu stellen. Jeder von Ihnen: 3 laufende Meter gestapeltes Holz. Sie kamen zuvor mit dem Fahrrad und ihrem Handwerkszeug aus Werneuchen und es war ihre Tagesaufgabe gewesen. Jetzt ist es später Nachmittag. Warum hatte ihre Mutter sie wohl mitgenommen und warum denn noch Holz sammeln. Es wußte jeder das die "Russen" nicht mehr weit sind. Die Gedanken der jungen Frau sind deshalb den ganzen Tag bei ihrem Baby, das daheim bei den beiden Schwestern in Werneuchen-Amselhain geblieben ist. Der Mann ist an der Front. Im Wald ist ruhig. Vom Krieg und der nahen Front ist nicht viel zu spüren. Die letzten Nachrichten über den Frontverlauf waren beunruhigend. Indes macht man sich den Heimweg und überquert die Straße um das noch etwas weiter weg im Wald versteckte wertvolle Handwerkszeug zu holen. An der Straße nach Prötzel in der Nähe des idyllischen Gamensees, wo sich heute der kleine Parkplatz auf der linken Seite befindet und der Weg zum See hinunter führt, ist das Straßenpflaster in einer Breite von 2 Metern aufgerissen und das Erdreich tief ausgehoben. Eine der einfachen "Panzersperren", welche man noch ohne die sonstigen Hilfsmittel aus Beton im Rückzugsjahr 1945 errichten konnte. Etliche Soldaten einer Kompanie haben sich links und rechts der Straße in Einzellöchern eingegraben. Posten halten stehend Wache. Der Offizier mustert die Herankommenden und ruft: „Beeilt euch ihr Beiden, die Russen sind gleich hier. Die junge Frau und ihre Mutter erschrecken heftig. Schnell, schnell noch die wertvolle Schrotsäge aus dem Versteck geholt. Angstvoll, mit Hilfe der Soldaten wird der Panzergraben überwunden und nun geht es mit dieser Neuigkeit schnell nach Hausen ach Werneuchen-Amselhain- in die Hindenburgstraße.

Heute, dem 17. April 1945 ist von den "Russen" in Werneuchen nichts zu sehen und nichts zu hören. Der Offizier hatte es wohl doch nicht so ernst gemeint. Doch in Seelow beginnt zu dieser Stunde eine erbitterte Schlacht um Berlin. Hunderte russische Panzer und Flugzeuge dringen von der Oder ein. Zehntausende  Soldaten der "Roten Armee" rennen gegen deutsche Verteidigungslinien an. An der linken Flanke der 9. Armee bei der 606. Infanteriedivision beginnt jetzt die deutsche Verteidigungsfront zu reißen. Teile der 25. Panzergrenadierdivision treffen zur Verstärkung ein, aber können dies auch nicht aufhalten. Es ist mittags und schon dringt die Roten Armee zwischen dem LVI. Panzerkorps und dem XI. SS-Panzerkorps auf breiter Front durch. Ein entsetzliches Sterben setzt ein. Jede Stunde verlieren jetzt tausende russische und deutsche Soldaten ihr Leben.

Am 18. April 1945 die Schlacht ereicht ihren Höhepunkt. Schwere Kämpfe jetzt schon an der Straße Seelow- Müncheberg. Geschützfeuer und Gefechtslärm dringen aus der Richtung Müncheberg nach Werneuchen herüber. Die Front ist jetzt auch für die Werneuchner da. Unmittelbar. Die Russen überwinden die Höhenstufe an der Straße Seelow-Müncheberg.

Auf dem Stadthaus in Werneuchen am Marktplatz setzt die Sirene für lange 15 Minuten ein. In der ganzen Stadt weiß man es jetzt- etwas anderes kann es nicht mehr bedeuten. Es ist das Zeichen- "Die Russen sind durch". Blankes Entsetzen, Angst und bangen macht sich in der Bevölkerung der Stadt breit. Doch der Tag geht ruhig zu Ende. Es wird Nacht.

Der Morgen des 19.April 1945 dämmert. Die Bewohner Werneuchens sind früh wach. Die meisten haben schlecht und wenig geschlafen. Niemand hat wirkliche Nachrichten von der Front. Gehört und erzählt wurde viel. Niemand weiß das in der Nacht unser letzter Brückenkopf bei Frankfurt (Oder) geräumt wurde. Seit den Morgenstunden tobt beiderseits der Reichstraße 1 der sowjetische Angriff. Die Sicherungslinie Prötzel - Grunow - Bollersdorf - Schermützelsee wird durchbrochen. Bei Prötzel und  Müncheberg erfolgen jetzt nicht mehr aufhaltbare Panzerdurchbrüche. Es ist 15.00 Uhr. Das hart umkämpfte und stark bombardierte Müncheberg geht jetzt verloren.

Russischen Panzerspitzen dringen an der Straße aus Prötzel vor und kommen an der Stelle vorbei, an der das Holz liegt, daß die junge Frau mit ihrer Mutter vor 3 Tagen geschlagen hat. Doch die Panzersperre hält die russischen Panzer jetzt unerwartet auf.

Im nur 10 km entfernten Werneuchen läuft Frieda unsere junge Mutter mit ihrem Kinderwagen zur Chausseestraße. Pff.. Staunen: Die ganze Straße ist voll. Wie viele Wehrmachtsfahrzeuge LKW" s und Pferdefuhrwerke sind jetzt auf der Chaussee in Richtung Berlin unterwegs. Und es liegt "Beeilung, Beeilung", "Schnell, schnell" in der Luft“. Alle sind hektisch. Trotzdem, einige der LKW' s mit den Soldaten fahren langsamer, bleiben manchmal kurz stehen. Die Soldaten rufen "Kommt, kommt wir nehmen euch mit, was jetzt kommt wird fürchterlich". Die junge Mutter ist unschlüssig. Es geht doch nicht. Sie hat eine Wohnung in der Wesendahler Straße. Aber jetzt lebt sie mit ihrem Baby bei der Mutter und den 2 Schwestern in der Hindenburgstraße im Amselhain. "Sie kann nicht die Familie und auch nicht sein Hab und Gut im Stich lassen. " Und wohin gehen. Nach Berlin? Die junge Frau kommt jetzt an der Steinschule vorbei. Hier war offenbar Brot eingelagert worden. Einige Wehrmachtsangehörige tragen es jetzt zum Abtransport heraus und verschenken es an die Bevölkerung. "Nehmt, nehmt, hier nehm…". Die junge Frau packt nur ein paar Brote in den Kinderwagen und läuft mit den Kinderwagen nach Hause. Später bereut sie die „Bescheidenheit“. Sie hätte nach ein paar Tagen ein paar Brote mehr, wirklich gut gebrauchen können.

Es ist immer noch Vormittag. Von Vorgängen auf dem Flugplatz bekommt man in der Stadt nichts mit. Das letzte noch verbliebene Personal bereitet die Flucht vor. Noch vorhandene Flugzeuge und Fahrzeuge werden bereitgestellt. Pioniere der Wehrmacht sind schon seit Tagen vor Ort und bereiten die Sprengung des Flugplatzes vor. Der Techniker Harry Marufke repariert auf Befehl eines Hauptmanns eine defekte Ju 87 .

Frau Pump aus Werneuchen beobachtet wie Einheiten neben dem Bäcker Wulf auf der Chausseestraße. eine Panzersperre errichten. Quer über die Straße werden tiefe Löcher in den Boden gegraben und dicke Baumstämme senkrecht hineingesteckt.

Erika Buggermann beobachtet russische "Aufklärungsflugzeuge" über Werneuchen. Die Stadt wird aber nicht angegriffen oder bombardiert. Gegenüber dem haus der Lehrerin Trillrose (in Richtung Weesow rechts hinter den Bahngleisen) befindet sich ein Lagergebäude der deutschen Wehrmacht. Angehörige der Wehrmacht verteilen jetzt die Lebensmittel an Einwohner. Es gibt viele Konserven, Schmalz, Butter und Brot. Danach wird nach Auskunft von Erika Buggermann das Gebäude am gleichen Tag von Wehrmachtsangehörigen zerstört.

Am 20. April 1945, Auf dem Flugplatz Werneuchen fliehen seit dem frühen Morgen die letzten Beschäftigten, Wehrmachtsangehörigen und Flugzeugpersonal mit allen verfügbaren Fahrzeugen in Richtung Schwerin, um sich bei den Amerikanern zu ergeben oder nach Berlin. Ein Hauptmann startet um 9.30 Uhr mit der am Vortag reparierten Ju87 und wird Minuten später von der roten Armee über Blumberg abgeschossen. Dann in Werneuchen Fliegeralarm, die Sirene auf dem Stadthaus heult. Kurz darauf sieht man schon die russischen Flugzeuge. Sie bereiten den Bodenangriff auf Werneuchen vor.

Die 1. Belorussische Front beginnt mit der Operationen um Werneuchen. Im Fronttagebuch wird bereits um 0.20 Uhr notiert:

Боевое распоряжение командующего войсками 1-го Белорусского фронта командующему 2-й гвардейской танковой армией на продолжение наступления и выход в район Вернойхен. № 00572/оп. 20 апреля 1945 г. 00.20

Rosemarie Bender-Rasmuß aus Buckow ist 21 Jahre alt, frisch verheiratet und versucht mit ihrem Mann und ihrem Bruder nach Lübeck zu fliehen. Sie mussten dabei nördlich um Berlin herum und waren die ganze Nacht marschiert. Erschöpft hatten sie sich in der Morgendämmerung des 20. April in einem kleinen Wäldchen zum Ausruhen niedergelegt. Sie wussten nicht, wo sie sich genau befanden. Nach vielleicht zwei Stunden kamen die Flugzeuge und Bomben wurden ausgeklinkt. In der Aufregung glaubten sie und ihr Bruder Heiner, sie kämen direkt auf sie zu. Doch ihr Mann Heinz beruhigte sie, die Bomben würden erst viele Meter weiter einschlagen. Erschrocken stellte die Gruppe fest, dass sie sich zum Ausruhen direkt am Flugplatz Werneuchen hingelegt hatten. Die einschlagenden Bomben verursachten auf dem Flugplatzgelände ein Inferno. Jetzt erst merkten die drei, dass auch andere Menschen in dem Wäldchen Zuflucht gesucht hatten. Verwundete schrien. Ihr Mann zog sie weg, denn Rosemarie war Rote-Kreuz-Helferin und hätte erste Hilfe leisten müssen. Doch jetzt war sich jeder selbst der Nächste. Nach der ersten Angriffswelle versuchten sie schnell aus der Reichweite des Flugplatzes zu kommen, denn die zweite Welle würde mit Sicherheit bald folgen. Aus einiger Entfernung vernahmen sie den zweiten Angriff.

Auf dem Flugplatz werden jetzt zahlreiche Gebäude gesprengt. In der Stadt hört jeder diese gewaltigen Explosionen. Die ersten Teilsprengungen erfolgten in der Waffenmeisterei, dann das Heizhaus West, der Verladebahnhof, der Küchentrakt, das Soldatenkasino und der Telefonbunker. Am Hangar 4 hängt noch heute eine Uhr und gibt die Zeit des Ausfalls der Zentraluhr 13.56 Uhr an. Doch nicht alle Sprengsätze explodieren. Einige Zündschnüre werden durch den Flugzeugmechaniker Harry Marufke gegen Mittag zerschnitten. Er war seit dem 1.2.1940 als Flugzeugmechaniker auf dem Flugplatz beschäftigt gewesen. Während auf dem Flugplatz gesprengt wird ist er schon auf dem Weg nach Werneuchen.

Es ist 15.00 Uhr. Auf den Straßen nach Werneuchen nähern sich russische Panzer. Vom Flugplatz schlägt ihnen jetzt Flakfeuer entgegen. Die unbeweglichen Flakstellungen, welche den Luftraum des Flugplatzes schützen sollten, werden jetzt für die Bodenabwehr eingesetzt. Russische Panzer werden getroffen. Darauf werden jetzt russische Geschütze in Stellung gebracht. Nach und nach verstummen die unbeweglichen Flakstellungen. Eine Flak befindet sich jedoch in der Stadt hinter der Holländer Dampfmühle von Thürling. Diese Flak kann im umbauten Gelände nicht für die Bodenbekämpfung eingesetzt werden. Sie bleibt stumm. Russische Panzer beschießen unterdessen aus Richtung Weesow den Amselhain. Frieda, unsere junge Mutter hat sich jetzt mit ihrer Mutter und ihren Schwestern im Keller der Familie Skersis und anderen Anwohnerinnen, zumeist Frauen und Mädchen im Amselhain eingefunden.

Auf der Chausseestraße in Werneuchen dringen jetzt Panzer vor und beschießen die aus Baumstämmen errichtete Panzersperre. Durch den Beschuß der Panzer werden das Gebäude der Gaststätte "Unter den Linden" mit Ausspannung (heute Bäcker Wulf) und die Fleischerei Müller und das Gebäude daneben zerstört.

Frieda, die junge Mutter schmiegt sich indessen im Amselhain mit dem Kinderwagen im Keller am Waschkessel an. Sie hat sich jetzt Gesicht und Hände mit Ruß und Seife aus dem Ofen des Waschkessels im Keller eingerieben und ein Kopftuch umgebunden. Der Gefechtslärm und die Detonationen dringen in den Keller im Amselhain.

Unterdessen wird in der Sachsenstraße gegen 16.00 Uhr Harry Marufke von russischen Soldaten gefangen genommen. (Nach seiner Gefangennahme geht es über Hirschfelde, Heidekrug, die Obstplantage Fassbänder nach Berlin Lindenberg in ein Grossammellager. Von dort ging es wieder zurück über Blumberg nach Krummensee in ein weiteres Sammellager, das in einem Bauerngehöft eingerichtet war. Dann ging es weiter über Prötzel, Wriezen nach Küstrin und dann per Viehwagen weiter nach Posen in ein weiteres Sammellager. Dieses Lager war vorher ein Polizeiausbildungslager gewesen und bestand aus Holzbaracken. Etwa 300000 bis 500000 Menschen wurden hier untergebracht. Die arbeitsfähigen Gefangenen wurden in die Sowjetunion abtransportiert. Harry Marufke dagegen wurde wegen Unterernährung entlassen und war im August 1945 wieder zu Hause.)

Werneuchen ist eingenommen. Im Keller im Amselhain wird es Still, Still, unheimlich Still. Niemand weiß was draußen passierte. Es vergehen zwei Stunden. Es ist 18.00 Uhr. Frau Skersis hatte noch neben ihrem Schmuck eine Uhr um. Ein Fehler wie sich später herausstellte. Die Ungewißheit macht indes neugierig. Frau Skersis öffnet die Kellertür um draußen mal nachzuschauen. Sie geht etwas raus auf die Straße. In den Keller dringen jetzt Geräusche marschierender Soldaten. Eigentlich denkt niemand: es könnten russische Soldaten sein. Doch der Gedanke wird nicht mehr zu Ende geführt. Russische Soldaten kommen in den Keller hinein und fallen über die Schutzsuchenden her. Eine Frau wird von den Soldaten mitgenommen, vergewaltigt und wenig später zurück gebracht. Allen Anderen werden nur Uhren und Schmuck abgenommen. Es ist mittlerweile Abend und dunkel geworden. Man verbringt die Nacht zusammen und ruhig im Keller.

Foto: russischer Soldat 1945 in Werneuchen

Seit dem Nachmittag sitzt auch Frau Erika Buggermann, der Schuhmacher und Kirchendiener Schröder und die aus Polen stammende Frau Hepotter im niedrigen Keller des Hauses Altstadt 9. Um 18 Uhr marschieren Sowjetsoldaten durch die Altstadt. Es dauert nicht lange bis die ersten Soldaten das Haus durchsuchen und in den Keller vordringen. Durch die Sprachkenntnisse der Frau Hepotter geht diese Begegnung glimpflich aus.

Die 1. Belorussische Front hat inzwischen seit der Offensive 33.000 Tote, 100.000 Verwundete und den Verlust von 727 Panzern zu beklagen. Die unter Führung von Shukows handelnde 1. Polnische Armee beklagt etwa 2.300 Soldaten. Auf deutscher Seite sind etwa 15.000 Soldaten tot.

Anderen Quellen zufolge rückte die 2. Schutzarmee der Sowjetarmee im Norden von Berlin an einem Tag den 21.April 1945 fast 50 Kilometer vor und nahm erst dann am 21.4.1945 den Südwesten von Werneuchen in Angriff. Andere sowjetische Maßeinheiten erreichten währenddessen den äußeren Verteidigungsring um Berlin, denn der sowjetische Plan war, Berlin zuerst zu umkreisen und die 4. Armee dann einzukesseln.

Am Morgen des 21. April 1945 verlassen die Frauen den Keller im Amselhain und gehen in ihre Häuser. Überraschend, die Russen scheinen gar nicht so auf dem Vormarsch zu sein. Die Häuser werden gerade in Ruhe durchwühlt und geplündert. Besonders beliebt: ausgewählte Wäschestücke und Schmuck. Frieda, ihre Schwestern und die Mutter kommen nach Haus. In der Wohnung in der Hindenbergstraße liegt in der Wohnstube ein aufgeworfener Berg Wäsche. Die Schubladen sind offen, teilweise ausgekippt. Die Gläser mit dem Eingeweckten im Keller sind fort. Ein paar sind zerschlagen. Wenig später kommt ein russischer Offizier und ruft: "Quartierung, Quartierung, russische Soldat auf Erde schlafen, Deutsche auf Bett schlafen". Wenig später kommen die russischen Soldaten. Die ersten rufen gleich: „ Raus raus“: "

Eine Gruppe von fünf Frauen, Mädchen und dem Baby laufen darauf wohnungs- und ziellos von der Hindenbergstraße im Amselhain über den Feldweg nach Werneuchen. Frieda- die junge Mutter, ihr Baby, ihre jüngere Schwester Marianne und Grete-die ältere Schwester und die Mutter. Auf der Lindenstraße angelangt. Staunen. Auf der großen Wiese zwischen Amselhain und Werneuchen hinter der Dampfsägemühle stehen jetzt viele russische Flugzeuge. Einsitzer und Zweisitzer. (Die Russen meinen, dass der Flugplatz Werneuchen vermint sein könnte und richteten auf dieser Wiese eine provisorische Start- und Landebahn ein.) Jetzt erblicken russische Soldaten die Gruppe der Frauen und fangen an zu schießen. Schnell weichen die Frauen und Mädchen verängstigt auf dem Feldweg weiter in Richtung Chausseestraße. Niemand wurde verletzt. Es war offensichtlich kein gezieltes Feuer der russischen Posten.

Auf der Chausseestraße kommt der Gruppe ein Offizier entgegen. Noch ahnt niemand, dass etwas Schreckliches passieren wird. Der Offizier fragt: "Wo gehen hin?" Die Mutter: "nach Berlin". Der russische Offizier schüttelt den Kopf: "nix Berlin, nix Berlin, Berlin Krieg". Der Kinderwagen wird jetzt durchsucht. Der Offizier mustert Grete, die ältere Schwester und nimmt sie mit. Der Schmerz und die Ohnmacht zeichnet das Gesicht der Mutter. Man ist jetzt nur noch zu viert. Die jüngere Schwester ist erst 9 Jahre alt, Frieda mit dem Kinderwagen und dem Baby und die Mutter. Die ältere Schwester ist jetzt weg. Es geht weiter am Gutshaus vorbei, Richtung Köpenicker Straße. Der Wintergarten links am Gutshaus ist zerschossen. Vor dem Gutshaus an der Straße liegt ein toter Mann. Vermutlich ein Verwalter oder Angestellter aus dem Büro des Gutes. Eine offene Geldkassette und viele Geldscheine liegen auf dem Erdboden herum. Frieda- die junge Mutter zögert, will sich bücken, etwas von dem vielen Geld aufheben, aber die Mutter ruft: "Um Gottes Willen, um Gottes Willen, Lass Das Geld". Weiter geht es in Richtung Köpenicker Straße (wo heute eine Neubausiedlung steht). Andere Leute, Unbekannte haben sich mittlerweile der Gruppe angeschlossen. Keine bekannten Gesichter, vielleicht keine Werneuchner. Auf einmal ruft die Mutter: "umkehren, umkehren" . Zu spät. Ein Trupp russischer Soldaten kommt über das Feld in ihre Richtung marschiert. Die Gruppe der Frauen und Kinder umfasst jetzt etwa 30 Personen. Sie werden jetzt von Soldaten eskortiert in das Haus Altstadt Nr. 17 gebracht (hier steht heute der Spar- Markt). In der Stube haben sie sich jetzt zusammengekauert. Alle haben furchtbare Angst und haben Hunger. Im Haus wird jetzt nach Essen gesucht. In der Küche und im Keller wird man fündig. Es wird indes Abend. Ein Offizier kommt an die Haustür und ruft: "Frauen, Frauen mitkommen, arbeiten". Frau Holzhäuser eine mutige und beherzte Frau aus Werneuchen stellt sich dem Offizier entgegen und ruft: "Frauen, kommen nicht arbeiten". Der Offizier zieht jetzt seine Pistole und schießt sofort. Aber offensichtlich in den Boden- niemand wird verletzt. Frau Holzhäuser bleibt standhaft vor der Tür. Man verbringt hier nun die Nacht in Ruhe. Die Amerikaner fliegen dabei  ihren letzten Luftangriff auf Berlin.

Оперативная сводка за 21 апреля
В течение 21 апреля Центральная группа наших войск продолжала вести наступательные бои западнее реки ОДЕР и реки НЕЙСЕ.
Западнее ОДЕРА наши войска заняли города БЕРНАУ, ВЕРНОЙХЕН и ряд других и завязали бои в пригородах БЕРЛИНА.
"Известия", 22 апреля 1945 года

В ночь на 21 апреля наши тяжёлые бомбардировщики нанесли массированный удар по военным объектам в БЕРЛИНЕ.
21 апреля. Сегодня артиллеристам-ленинградцам выпала честь первыми стрелять по БЕРЛИНУ. Первый артиллерийский выстрел по вражеской столице произвело подразделение майора Гаркуна.
"Красная звезда", 22 апреля 1945 года

Подготовил Владимир АГЕЕВ

Am Morgen des 22 April 1945 kommt der Hunger zu den Menschen im Haus Altstadt 17. Im Keller gibt es noch Eingewecktes. Man will gerade das Essen zubereiten und aufteilen, aber es kommen Soldaten in das Haus. Alle müssen jetzt raus und werden durchsucht. Der Koffer der Mutter wird von einem Soldaten ausgeschüttet und mitgenommen. Die Mutter steckt die Sachen darauf in eine zum Sack gefaltete Decke. Dann geht es von Soldaten begleitet über den Marktplatz, über die Berliner Straße auf die Landsberger Straße in Richtung des Friedhofs. Die junge Mutter Frieda denkt sich jetzt, "komisch, was wollen die hier mit uns machen". Rechts an der Straße stehen hier Landarbeiterhäuser des Gutes. Die Frauen und Kinder werden auf die 3 bis 4 Häuser verteilt. Essen gibt es nicht. Alle sind hungrig. Es ist noch April, es wird früh dunkel. Mit der Dämmerung, am Abend und in der Nacht dringen Soldaten in die unverschlossenen Häuser ein. Einige Frauen und Mädchen werden von Soldaten gemustert und nach einander und auch mehrmals mitgenommen. Die sowjetischen Truppen haben unterdessen das Stadtgebiet von Berlin erreicht und Teile von Frohnau, Lichtenberg und Weissensee besetzt.

Am Morgen des 23. April 1945 macht sich Frau Holzhäuser mit der Mutter auf den Weg zur Kommandantur. Diese befindet sich im "Stadtwappen". Sie redet mit dem "Kommandanten". Sie bekommen darauf die "verlorene" Schwester wieder, welche die Soldaten vorgestern mitgenommen hatten. Es ging ihr den Umständen entsprechend gut. Man hatte sie und auch andere Festgenommene über Namen von NSDAP-Mitglieder und Funktionären in Werneuchen ausgefragt und verhört.

Jetzt kommen Soldaten in die Häuser der Landsberger Straße. Wieder müssen alle raus. Der Troß zieht begleitet von Soldaten zum Sträßchen. Die Frauen und Kinder werden nun auf die Häuser von Malong, Sträßchen Nr. 1 und Schneider/Ratunde, Nr. 2 und Giese Nr. 3 aufgeteilt. Die junge Mutter Frieda kommt mit ihrem Baby, den Schwestern, der Mutter und anderen Menschen zusammen in das Haus der Frau Malong Nr. 1. (Frau Malong selber wohnte aber auf ihrem Hof und Haus der heutigen Baufirma Wolf.) Es wird wieder Nacht. Alle liegen zum schlafen auf dem Küchenfußboden. Es ist sehr, sehr eng. Auf dem Flur hält Frau Holzhäuser und die Mutter" Wache". Hier steht auch der Kinderwagen. Frau Holzhäuser hat die Eingangstür mit einem Brett verbarrikadiert. Am Abend wummern Soldaten von draußen an Fenster und Türen. Ein Russe ruft: "Aufmachen, aufmachen, ich Kommandant". Frau Holzhäuser ruft: "Hier, bin ich Kommandant". Es ist Morgen geworden: Durch die entschlossene und mutige Frau Holzhäuser war die Tür zugeblieben. Im Nachbarhaus bei Rotunde Nr. 1 hatten die Frauen in der Nacht keinen Schutz und kein Glück. Einige Frauen und Mädchen wurden von Soldaten mitgenommen.

Vom 24. April 1945 bis 30 April 1945 verbringt man die Zeit in den Häusern Sträßchen Nr.1 bis 3. Hunger tut weh. Hunger tut sehr sehr weh. Ein paar Frauen gehen jetzt zu den Russen arbeiten und bringen darauf etwas zu essen mit. Nach zwei, drei Tagen verlässt die junge Mutter Frieda zum ersten Mal das Haus und geht mit ihrem Baby auf dem Arm und anderen Frauen mit Kleinkindern und einer Milchkanne zur Wiese am Feldweg zum Amselhain. Hier stehen jetzt bewacht von Soldaten zusammengetriebene Kühe und Rinder. Die Euter der Kühe sind voll, die Frauen betteln um Milch für die Kinder. Der Posten lacht nur: "nix panimaju" und immer immer wieder nur "nix panimaju". Verzweifelt macht sich Frieda jetzt auf den Heimweg zum Amselhain. Zum ersten Mal nach der Besetzung geht sie nach Hause zum Amselhain. Zuerst geht sie zum Haus der Skersis. Ein Tatar oder Kasache steht vor einer Gruppe weiterer Soldaten bedrängt die junge Frau und ruft: "Wo ist Gittler, wo ist Gittler". Frieda ruft instinktiv und ohne nachzudenken: "trinkt mit Stalin Schnaps". Sie formt mit der Hand das Trinkzeichen. Die Gruppe Soldaten schüttet sich nun vor Lachen. Der Kasache guckt verdutzt. Vom Haus der Skersis geht es nun weiter zum Haus der Mutter in der Hindenbergstraße. Das Haus ist voll mit russischen Frauen. Die russischen Frauen sind sehr nett und freundlich. Sie fragen nach dem Namen des Babys der jungen Frau. (Man nannte diese Frauen übrigens damals "Flintenweiber".) Man verständigt sich mit Händen und Füßen.

Die Fabrikationsgebäude des Firmengründers Robert Stock in der Zeughofstraße, Berlin brennen infolge direkten Beschusses am 24.4.1945 gänzlich aus. Alle schriftlichen Unterlagen des Verwaltungsgebäudes - Patente, Konstruktionszeichnungen oder Verträge - wurden ein Opfer der Flammen.

Am 25. April 1945 schließt die 1. Belorussische Front und die 1. Ukrainische Front den Ring um Berlin bei Ketzin. Sowjetische und US-amerikanische Truppen treffen sich bei Torgau und Pretzsch. Folgende am Stadtrand Berlins gelegene Stadtteile sind durch die sowjetischen Truppen bereits erobert: Heiligensee, Reinickendorf, Wittenau, Niederschönhausen, Weissensee, Hohenschönhausen, Friedrichsfelde, Lichtenberg, Treptow, Adlershof, Rudow, Britz, Buckow, Lichterfelde, Lankwitz und Zehlendorf, sowie Teile von Spandau.

27.April 1945, Die Sowjets vereinnahmen den Rest von Spandau sowie Gartenfeld, Siemensstadt, Kreuzberg, Neukölln, Tempelhof, Steglitz und Dahlem.

Am 28. April ist der innere Verteidigungsring der »Reichshauptstadt« durchbrochen. Der Generalstabschef des Heeres Krebs geht davon aus, dass man sich nur noch 48 Stunden halten kann. Dennoch wird auf Befehl Hitlers die Wenck-Armee und die 9. Armee noch einmal zu größten Anstrengungen angetrieben. Generaloberst Bersarin wird zum Chef der Besatzung und gleichzeitig zum Stadtkommandanten von Berlin ernannt.
Teile von Charlottenburg und Schöneberg, Gatow, der Grunewald und Moabit sind in der Hand der Sowjets. In der Innenstadt finden noch erbitterte Kämpfe statt. Die Bevölkerung am Stadtrand beginnt bereits mit ersten Aufräumungsarbeiten!

Am 29. April muß Wenck gegen 23.30 Uhr, dem Generalfeldmarschall Keitel melden, dass die 12. Armee auf der ganzen Front in die Abwehr gedrängt ist und ein Angriff auf Berlin deshalb nicht mehr möglich ist.

Am 30.April 1945,15.30 Uhr, Weitere Teile von Wilmersdorf und Witzleben, sowie Horst-Wessel-Stadt (Friedrichshain) werden besetzt, die Sowjets erobern den Reichstag und hissen auf dem Dach die Rote Fahne. Hitler begeht im Führerbunker der Reichskanzlei Selbstmord, nach dem er Eva Braun geehelicht hat.

Vor der Ruine des Reichstages, Mai 19451. Mai 1945 Die Sowjets vereinnahmen den Tiergarten, den Wedding sowie den Rest von Horst-Wessel-Stadt. Sie stehen nun direkt an der Potsdamer Brücke, der Weidendammer Brücke und am Alex, also schon mitten im Zentrum der "Reichstrümmerstadt"

3. Mai 1945
Nachdem nun die Waffen schweigen, herrscht in Berlin eine gespenstische Ruhe. Die Sowjets haben die Stadt erobert und haben alle wichtigen Örtlichkeiten durch bewaffnete Posten besetzt, während die Berliner Bevölkerung weiße Bettlaken aus den Fenstern gehängt hat. Die Stadt ist völlig zerstört, in weiten Stadtgebieten gibt es kaum Häuser, die den Krieg unbeschadet überstanden haben, sondern nur noch leblose Ruinen. Hier und da haben sich einige Überlebende in Kellern notdürftig eingerichtet. Zwischen 22 und 8 Uhr herrscht Ausgangsverbot. Der öffentliche Nahverkehr ist schon vor Wochen zum Erliegen gekommen, die Oberleitungs-Anlagen der Straßenbahn sind zu 95 % zerstört, U-Bahntunnel beschädigt und zum größten Teil mit Wasser voll gelaufen. Viele Berliner haben nun existenzielle Sorgen: Wie soll es nun weitergehen?

Am 8. Mai 1945 kapituliert Deutschland. Der Krieg ist aus.

Aus der Geschichte der Mark Brandenburg und des Barnim


Die ältesten Karten von Werneuchen



ansehen:

Fotoshows aus 100 Jahren Geschichte


download:

lade dir dein werneuchen video auf`s handy


download:

Desktop

hintergründe-


download :

Videos von Ereignissen, Konzerten und Aktuellem


Schönfeld


Beiersdorf


Freudenberg