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E Heute, dem 17. April 1945 ist von den "Russen" in Werneuchen nichts zu sehen und nichts zu hören. Der Offizier hatte es wohl doch nicht so ernst gemeint. Doch in Seelow beginnt zu dieser Stunde eine erbitterte Schlacht um Berlin. Hunderte russische Panzer und Flugzeuge dringen von der Oder ein. Zehntausende Soldaten der "Roten Armee" rennen gegen deutsche Verteidigungslinien an. An der linken Flanke der 9. Armee bei der 606. Infanteriedivision beginnt jetzt die deutsche Verteidigungsfront zu reißen. Teile der 25. Panzergrenadierdivision treffen zur Verstärkung ein, aber können dies auch nicht aufhalten. Es ist mittags und schon dringt die Roten Armee zwischen dem LVI. Panzerkorps und dem XI. SS-Panzerkorps auf breiter Front durch. Ein entsetzliches Sterben setzt ein. Jede Stunde verlieren jetzt tausende russische und deutsche Soldaten ihr Leben.
Auf dem Stadthaus in Werneuchen am Marktplatz setzt die Sirene für lange 15 Minuten ein. In der ganzen Stadt weiß man es jetzt- etwas anderes kann es nicht mehr bedeuten. Es ist das Zeichen- "Die Russen sind durch". Blankes Entsetzen, Angst und bangen macht sich in der Bevölkerung der Stadt breit. Doch der Tag geht ruhig zu Ende. Es wird Nacht. Der Morgen des 19.April 1945 dämmert. Die Bewohner Werneuchens sind früh wach. Die meisten haben schlecht und wenig geschlafen. Niemand hat wirkliche Nachrichten von der Front. Gehört und erzählt wurde viel. Niemand weiß das in der Nacht unser letzter Brückenkopf bei Frankfurt (Oder) geräumt wurde. Seit den Morgenstunden tobt beiderseits der Reichstraße 1 der sowjetische Angriff. Die Sicherungslinie Prötzel - Grunow - Bollersdorf - Schermützelsee wird durchbrochen. Bei Prötzel und Müncheberg erfolgen jetzt nicht mehr aufhaltbare Panzerdurchbrüche. Es ist 15.00 Uhr. Das hart umkämpfte und stark bombardierte Müncheberg geht jetzt verloren. Russischen Panzerspitzen dringen an der Straße aus Prötzel vor und kommen an der Stelle vorbei, an der das Holz liegt, daß die junge Frau mit ihrer Mutter vor 3 Tagen geschlagen hat. Doch die Panzersperre hält die russischen Panzer jetzt unerwartet auf.
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Frau Pump aus Werneuchen beobachtet wie Einheiten neben dem Bäcker Wulf auf der Chausseestraße. eine Panzersperre errichten. Quer über die Straße werden tiefe Löcher in den Boden gegraben und dicke Baumstämme senkrecht hineingesteckt. Erika Buggermann beobachtet russische "Aufklärungsflugzeuge" über Werneuchen. Die Stadt wird aber nicht angegriffen oder bombardiert. Gegenüber dem haus der Lehrerin Trillrose (in Richtung Weesow rechts hinter den Bahngleisen) befindet sich ein Lagergebäude der deutschen Wehrmacht. Angehörige der Wehrmacht verteilen jetzt die Lebensmittel an Einwohner. Es gibt viele Konserven, Schmalz, Butter und Brot. Danach wird nach Auskunft von Erika Buggermann das Gebäude am gleichen Tag von Wehrmachtsangehörigen zerstört. Am 20. April 1945, Auf dem Flugplatz Werneuchen fliehen seit dem frühen Morgen die letzten Beschäftigten, Wehrmachtsangehörigen und Flugzeugpersonal mit allen verfügbaren Fahrzeugen in Richtung Schwerin, um sich bei den Amerikanern zu ergeben oder nach Berlin. Ein Hauptmann startet um 9.30 Uhr mit der am Vortag reparierten Ju87 und wird Minuten später von der roten Armee über Blumberg abgeschossen. Dann in Werneuchen Fliegeralarm, die Sirene auf dem Stadthaus heult. Kurz darauf sieht man schon die russischen Flugzeuge. Sie bereiten den Bodenangriff auf Werneuchen vor. Die 1. Belorussische Front beginnt mit der Operationen um Werneuchen. Im Fronttagebuch wird bereits um 0.20 Uhr notiert: Боевое распоряжение командующего войсками 1-го Белорусского фронта командующему 2-й гвардейской танковой армией на продолжение наступления и выход в район Вернойхен. № 00572/оп. 20 апреля 1945 г. 00.20 Rosemarie Bender-Rasmuß aus Buckow ist 21 Jahre alt, frisch verheiratet und versucht mit ihrem Mann und ihrem Bruder nach Lübeck zu fliehen. Sie mussten dabei nördlich um Berlin herum und waren die ganze Nacht marschiert. Erschöpft hatten sie sich in der Morgendämmerung des 20. April in einem kleinen Wäldchen zum Ausruhen niedergelegt. Sie wussten nicht, wo sie sich genau befanden. Nach vielleicht zwei Stunden kamen die Flugzeuge und Bomben wurden ausgeklinkt. In der Aufregung glaubten sie und ihr Bruder Heiner, sie kämen direkt auf sie zu. Doch ihr Mann Heinz beruhigte sie, die Bomben würden erst viele Meter weiter einschlagen. Erschrocken stellte die Gruppe fest, dass sie sich zum Ausruhen direkt am Flugplatz Werneuchen hingelegt hatten. Die einschlagenden Bomben verursachten auf dem Flugplatzgelände ein Inferno. Jetzt erst merkten die drei, dass auch andere Menschen in dem Wäldchen Zuflucht gesucht hatten. Verwundete schrien. Ihr Mann zog sie weg, denn Rosemarie war Rote-Kreuz-Helferin und hätte erste Hilfe leisten müssen. Doch jetzt war sich jeder selbst der Nächste. Nach der ersten Angriffswelle versuchten sie schnell aus der Reichweite des Flugplatzes zu kommen, denn die zweite Welle würde mit Sicherheit bald folgen. Aus einiger Entfernung vernahmen sie den zweiten Angriff. Auf dem Flugplatz werden jetzt zahlreiche Gebäude gesprengt. In der Stadt hört jeder diese gewaltigen Explosionen. Die ersten Teilsprengungen erfolgten in der Waffenmeisterei, dann das Heizhaus West, der Verladebahnhof, der Küchentrakt, das Soldatenkasino und der Telefonbunker. Am Hangar 4 hängt noch heute eine Uhr und gibt die Zeit des Ausfalls der Zentraluhr 13.56 Uhr an. Doch nicht alle Sprengsätze explodieren. Einige Zündschnüre werden durch den Flugzeugmechaniker Harry Marufke gegen Mittag zerschnitten. Er war seit dem 1.2.1940 als Flugzeugmechaniker auf dem Flugplatz beschäftigt gewesen. Während auf dem Flugplatz gesprengt wird ist er schon auf dem Weg nach Werneuchen.
Auf der Chausseestraße in Werneuchen dringen jetzt Panzer vor und beschießen die aus Baumstämmen errichtete Panzersperre. Durch den Beschuß der Panzer werden das Gebäude der Gaststätte "Unter den Linden" mit Ausspannung (heute Bäcker Wulf) und die Fleischerei Müller und das Gebäude daneben zerstört. Frieda, die junge Mutter schmiegt sich indessen im Amselhain mit dem Kinderwagen im Keller am Waschkessel an. Sie hat sich jetzt Gesicht und Hände mit Ruß und Seife aus dem Ofen des Waschkessels im Keller eingerieben und ein Kopftuch umgebunden. Der Gefechtslärm und die Detonationen dringen in den Keller im Amselhain. Unterdessen wird in der Sachsenstraße gegen 16.00 Uhr Harry Marufke von russischen Soldaten gefangen genommen. (Nach seiner Gefangennahme geht es über Hirschfelde, Heidekrug, die Obstplantage Fassbänder nach Berlin Lindenberg in ein Grossammellager. Von dort ging es wieder zurück über Blumberg nach Krummensee in ein weiteres Sammellager, das in einem Bauerngehöft eingerichtet war. Dann ging es weiter über Prötzel, Wriezen nach Küstrin und dann per Viehwagen weiter nach Posen in ein weiteres Sammellager. Dieses Lager war vorher ein Polizeiausbildungslager gewesen und bestand aus Holzbaracken. Etwa 300000 bis 500000 Menschen wurden hier untergebracht. Die arbeitsfähigen Gefangenen wurden in die Sowjetunion abtransportiert. Harry Marufke dagegen wurde wegen Unterernährung entlassen und war im August 1945 wieder zu Hause.)
Foto: russischer Soldat 1945 in Werneuchen Seit dem Nachmittag sitzt auch Frau Erika Buggermann, der Schuhmacher und Kirchendiener Schröder und die aus Polen stammende Frau Hepotter im niedrigen Keller des Hauses Altstadt 9. Um 18 Uhr marschieren Sowjetsoldaten durch die Altstadt. Es dauert nicht lange bis die ersten Soldaten das Haus durchsuchen und in den Keller vordringen. Durch die Sprachkenntnisse der Frau Hepotter geht diese Begegnung glimpflich aus. Die 1. Belorussische Front hat inzwischen seit der Offensive 33.000 Tote, 100.000 Verwundete und den Verlust von 727 Panzern zu beklagen. Die unter Führung von Shukows handelnde 1. Polnische Armee beklagt etwa 2.300 Soldaten. Auf deutscher Seite sind etwa 15.000 Soldaten tot. Anderen Quellen zufolge rückte die 2. Schutzarmee der Sowjetarmee im Norden von Berlin an einem Tag den 21.April 1945 fast 50 Kilometer vor und nahm erst dann am 21.4.1945 den Südwesten von Werneuchen in Angriff. Andere sowjetische Maßeinheiten erreichten währenddessen den äußeren Verteidigungsring um Berlin, denn der sowjetische Plan war, Berlin zuerst zu umkreisen und die 4. Armee dann einzukesseln. Am Morgen des 21. April 1945 verlassen die Frauen den Keller im Amselhain und gehen in ihre Häuser. Überraschend, die Russen scheinen gar nicht so auf dem Vormarsch zu sein. Die Häuser werden gerade in Ruhe durchwühlt und geplündert. Besonders beliebt: ausgewählte Wäschestücke und Schmuck. Frieda, ihre Schwestern und die Mutter kommen nach Haus. In der Wohnung in der Hindenbergstraße liegt in der Wohnstube ein aufgeworfener Berg Wäsche. Die Schubladen sind offen, teilweise ausgekippt. Die Gläser mit dem Eingeweckten im Keller sind fort. Ein paar sind zerschlagen. Wenig später kommt ein russischer Offizier und ruft: "Quartierung, Quartierung, russische Soldat auf Erde schlafen, Deutsche auf Bett schlafen". Wenig später kommen die russischen Soldaten. Die ersten rufen gleich: „ Raus raus“: " Eine Gruppe von fünf Frauen, Mädchen und dem Baby laufen darauf wohnungs- und ziellos von der Hindenbergstraße im Amselhain über den Feldweg nach Werneuchen. Frieda- die junge Mutter, ihr Baby, ihre jüngere Schwester Marianne und Grete-die ältere Schwester und die Mutter. Auf der Lindenstraße angelangt. Staunen. Auf der großen Wiese zwischen Amselhain und Werneuchen hinter der Dampfsägemühle stehen jetzt viele russische Flugzeuge. Einsitzer und Zweisitzer. (Die Russen meinen, dass der Flugplatz Werneuchen vermint sein könnte und richteten auf dieser Wiese eine provisorische Start- und Landebahn ein.) Jetzt erblicken russische Soldaten die Gruppe der Frauen und fangen an zu schießen. Schnell weichen die Frauen und Mädchen verängstigt auf dem Feldweg weiter in Richtung Chausseestraße. Niemand wurde verletzt. Es war offensichtlich kein gezieltes Feuer der russischen Posten.
Оперативная сводка за 21 апреля
В ночь на 21 апреля наши тяжёлые бомбардировщики нанесли массированный удар по
военным объектам в БЕРЛИНЕ.
Am Morgen des 23. April 1945 macht sich Frau Holzhäuser mit der Mutter auf den Weg zur Kommandantur. Diese befindet sich im "Stadtwappen". Sie redet mit dem "Kommandanten". Sie bekommen darauf die "verlorene" Schwester wieder, welche die Soldaten vorgestern mitgenommen hatten. Es ging ihr den Umständen entsprechend gut. Man hatte sie und auch andere Festgenommene über Namen von NSDAP-Mitglieder und Funktionären in Werneuchen ausgefragt und verhört. Jetzt kommen Soldaten in die Häuser der Landsberger Straße. Wieder müssen alle raus. Der Troß zieht begleitet von Soldaten zum Sträßchen. Die Frauen und Kinder werden nun auf die Häuser von Malong, Sträßchen Nr. 1 und Schneider/Ratunde, Nr. 2 und Giese Nr. 3 aufgeteilt. Die junge Mutter Frieda kommt mit ihrem Baby, den Schwestern, der Mutter und anderen Menschen zusammen in das Haus der Frau Malong Nr. 1. (Frau Malong selber wohnte aber auf ihrem Hof und Haus der heutigen Baufirma Wolf.) Es wird wieder Nacht. Alle liegen zum schlafen auf dem Küchenfußboden. Es ist sehr, sehr eng. Auf dem Flur hält Frau Holzhäuser und die Mutter" Wache". Hier steht auch der Kinderwagen. Frau Holzhäuser hat die Eingangstür mit einem Brett verbarrikadiert. Am Abend wummern Soldaten von draußen an Fenster und Türen. Ein Russe ruft: "Aufmachen, aufmachen, ich Kommandant". Frau Holzhäuser ruft: "Hier, bin ich Kommandant". Es ist Morgen geworden: Durch die entschlossene und mutige Frau Holzhäuser war die Tür zugeblieben. Im Nachbarhaus bei Rotunde Nr. 1 hatten die Frauen in der Nacht keinen Schutz und kein Glück. Einige Frauen und Mädchen wurden von Soldaten mitgenommen. Vom 24. April 1945 bis 30 April 1945 verbringt man die Zeit in den Häusern Sträßchen Nr.1 bis 3. Hunger tut weh. Hunger tut sehr sehr weh. Ein paar Frauen gehen jetzt zu den Russen arbeiten und bringen darauf etwas zu essen mit. Nach zwei, drei Tagen verlässt die junge Mutter Frieda zum ersten Mal das Haus und geht mit ihrem Baby auf dem Arm und anderen Frauen mit Kleinkindern und einer Milchkanne zur Wiese am Feldweg zum Amselhain. Hier stehen jetzt bewacht von Soldaten zusammengetriebene Kühe und Rinder. Die Euter der Kühe sind voll, die Frauen betteln um Milch für die Kinder. Der Posten lacht nur: "nix panimaju" und immer immer wieder nur "nix panimaju". Verzweifelt macht sich Frieda jetzt auf den Heimweg zum Amselhain. Zum ersten Mal nach der Besetzung geht sie nach Hause zum Amselhain. Zuerst geht sie zum Haus der Skersis. Ein Tatar oder Kasache steht vor einer Gruppe weiterer Soldaten bedrängt die junge Frau und ruft: "Wo ist Gittler, wo ist Gittler". Frieda ruft instinktiv und ohne nachzudenken: "trinkt mit Stalin Schnaps". Sie formt mit der Hand das Trinkzeichen. Die Gruppe Soldaten schüttet sich nun vor Lachen. Der Kasache guckt verdutzt. Vom Haus der Skersis geht es nun weiter zum Haus der Mutter in der Hindenbergstraße. Das Haus ist voll mit russischen Frauen. Die russischen Frauen sind sehr nett und freundlich. Sie fragen nach dem Namen des Babys der jungen Frau. (Man nannte diese Frauen übrigens damals "Flintenweiber".) Man verständigt sich mit Händen und Füßen.
Am 25. April 1945 schließt die 1. Belorussische Front und die 1. Ukrainische Front den Ring um Berlin bei Ketzin. Sowjetische und US-amerikanische Truppen treffen sich bei Torgau und Pretzsch. Folgende am Stadtrand Berlins gelegene Stadtteile sind durch die sowjetischen Truppen bereits erobert: Heiligensee, Reinickendorf, Wittenau, Niederschönhausen, Weissensee, Hohenschönhausen, Friedrichsfelde, Lichtenberg, Treptow, Adlershof, Rudow, Britz, Buckow, Lichterfelde, Lankwitz und Zehlendorf, sowie Teile von Spandau. 27.April 1945, Die Sowjets vereinnahmen den Rest von Spandau sowie Gartenfeld, Siemensstadt, Kreuzberg, Neukölln, Tempelhof, Steglitz und Dahlem.
Am
28. April
ist der innere Verteidigungsring der »Reichshauptstadt« durchbrochen. Der
Generalstabschef des Heeres Krebs geht davon aus, dass man sich nur noch 48
Stunden halten kann. Dennoch wird auf Befehl Hitlers die Wenck-Armee und die 9.
Armee noch einmal zu größten Anstrengungen angetrieben.
Generaloberst Bersarin wird
zum Chef der Besatzung und gleichzeitig zum Stadtkommandanten von Berlin
ernannt. Am 29. April muß Wenck gegen 23.30 Uhr, dem Generalfeldmarschall Keitel melden, dass die 12. Armee auf der ganzen Front in die Abwehr gedrängt ist und ein Angriff auf Berlin deshalb nicht mehr möglich ist. Am 30.April 1945,15.30 Uhr, Weitere Teile von Wilmersdorf und Witzleben, sowie Horst-Wessel-Stadt (Friedrichshain) werden besetzt, die Sowjets erobern den Reichstag und hissen auf dem Dach die Rote Fahne. Hitler begeht im Führerbunker der Reichskanzlei Selbstmord, nach dem er Eva Braun geehelicht hat.
3. Mai 1945 Am 8. Mai 1945 kapituliert Deutschland. Der Krieg ist aus. |
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