Nach
der Kapitulation am 8. Mai 1945 bleibt Werneuchen von russischen Einheiten
besetzt. Kriegsschäden traten in nur geringem Maße auf. Gezielte Bombenabwürfe
waren nicht erfolgt, lediglich einige Häuser wurden bei den Kampfhandlungen zerstört, wobei auch
Einwohner umkamen. Auch jetzt, nach 1945 erreichen zahlreiche Kriegsflüchtlinge
Werneuchen und müssen hier untergebracht werden. So entstehen aus den
Einfamilienhäusern, die für eine Familie konzipiert waren, Zwei- und
Mehrfamilienhäuser, indem man Räume teilt, Böden ausbaut und
Souterrainwohnungen einrichtet. Auch Sommerlauben z.B. in Stienitzaue werden belegt. Viele
Flüchtlinge ziehen in
den ersten Nachkriegsjahren weiter, ein Teil aber bleibt hier und bürgert sich
ein, weil sich
durch die Nähe Berlins gute Arbeitsmöglichkeiten boten. Es war nicht einfach,
diese wachsende Zahl von Einwohnern in der schweren Nachkriegszeit zu versorgen,
und der Kampf um Korn, Kohle, Milch und Kartoffeln beschäftigte die
Gemeindeverwaltungen. So wurden aus den Vorgärten und den Hausgärten willkommene
Anbauflächen für zusätzliche Nahrungsmittel.
Foto: Russischer Soldat im Mai 1945
in Werneuchen, Stienitzaue
In Werneuchen in der
Chausseestraße,
Berliner Straße sind mehrere Gebäude zerstört. Darunter
das Haus Gaststätte "Unter den Linden" mit Ausspannung (der Bäckerei Wulff) und
die Fleischerei Müller, (links daneben) , der Wintergarten vom
Gutshaus und das Wohnhaus Berliner Straße 29.
Etliche Häuser besonders die Dächer in
Amselhain sind beschädigt. Einige der
Gebäude des Flugplatzes sind von der Wehrmacht gesprengt.
Die Kirche wurde durch eine
Panzergranate verwüstet. Die Orgel und Empore ist stark beschädigt und werden
wenig später abgerissen und geplündert, verheizt und die Orgelpfeifen gestohlen
und verschrottet.
Viele Werneuchner Männer
sind im Krieg gefallen, vermisst, auf der Flucht oder inzwischen in russischer
Gefangenschaft.
Foto: Russischer Soldat im Mai 1945 in Werneuchen, Stienitzaue
Die
Apotheke und alle
anderen Geschäfte sind geplündert. Es gibt kaum etwas zu essen. Fleisch gar nicht. Einige
Einwohner haben Selbstmord verübt. In der
Altstadt in der Wohnung über dem Lebensmittelladen
(heute Geschäft des Optiker) nimmt sich Frau Schulz mit ihren 2 Töchtern und ihrer
Enkeltochter das Leben. Ein Vater, seine 1. Frau, die 2 Kinder und die Verkäuferin vom
Papierwarenladen bringen sich um. Franz Herzberg aus Werneuchen wird verhaftet.
Seine erste Frau und Kinder nehmen daraufhin Gift. Frau Kühn bringt sich mit ihrer Tochter in ihrer
Wohnung über dem Fotoladen um. Frau Güthling, Frau Thies (die erste Frau von
Herrn Thies) und Frau Thürling
von der Holländer
Dampfmühle verüben ebenfalls Selbstmord. Im
Amselhain bringt sich der Bruder von Herrn Weber
selbst um. Der Ortsbauernführer
Max Thürling wird verhaftet und stirbt wenig später
im KZ. Sein Sohn Günther Thürling kam später aus dem Krieg aus der Gefangenschaft wieder und wanderte
später nach Amerika aus. Der Mühlenbetreiber der
Dampfmühle Willi Schmidtke wird
verhaftet und stirbt 1946 im KZ Buchenwald in russischer Gefangenschaft. Aus der Steinschule in der
Schulstraße
werden die Lehrer Matthes und Georg Pescke verhaftet, weil sie Mitglieder der NSDAP
waren. Beide werden sterben später im russischen Konzentrationslager.
Die "Russen" suchen in Werneuchen weiter nach ehemaligen NSDAP-Mitgliedern. Alle großen Funktionäre hatten sich rechtzeitig aus Werneuchen
abgesetzt und waren untergetaucht. Geblieben waren nur die kleinen bzw. nicht aktiv
gewesene NSDAP Mitglieder, Mitläufer, ohne Funktion und Stellung. Diese dachten
das sie nichts zu befürchten hätten. Doch für die Russen sind es jetzt die
Einzig greifbaren. Für Viele ist dieser Irrtum tödlich. Nach und nach werden
jetzt diese Menschen verhaftet. Einige kommen nicht mehr zurück.Die nächstwichtige Nazi-Führerin
war dann die BDM-Chefin Werneuchens: ein 18-jähriges Mädchen mit Zöpfen. Sie kam 1950
frei. Ende der 40er Jahre konnte sie einen Zettel mit ihrem Namen und der
Anschrift ihrer Eltern an ein Bernauer Ehepaar weiterschmuggeln, die auf
Hamsterfahrt waren, als sie sich begegneten. Diese aufrechten Menschen gaben die
Nachricht tatsächlich weiter. Erst dann erfuhren die Eltern, wohin ihre Tochter
1945 verschwunden war und konnten ihr helfen. Mit 18 Jahren eingesperrt. Mit 23 entlassen.
Frau Holzhäuser die mutig
und entschlossen die Gruppe der Kinder und Frauen beschützte wird später Bürgermeisterin in
Werneuchen. Die damals junge Mutter lebt
heute noch mit ihren
Schwestern in Werneuchen. Ihr Baby starb noch im Februar 1946. Der hiesige Arzt
Dr. Höcker welcher damals im "Bürgermeisterhaus in der heutigen Bahnhofsstraße
(früher Beiersdorfer Weg, dann Beiersdorfer Straße) wohnte,
konnte nicht helfen. Es gab keine
Medikamente.
Die ersten Nachkriegswochen waren also sehr
schwierig. Frauen wurden aus ihren Häusern geholt, Leute wurden verhaftet. Die
Einwohner fingen an sich gegenseitig zu denunzieren, um selber Vorteile zu
gewinnen. Viele waren auf einmal schon immer erklärte Antifaschisten und
Hitlergegner gewesen und denunzierten nun auch die einfachsten Funktionäre bzw.
Parteimitglieder. Die Russen brauchten mittlerweile nicht mehr zu ermitteln.
Ihnen wurde alles selbst von Deutschen zu getragen. Die Zustände wurden noch
schlimmer. Der erste Bürgermeister wurde nun ein Kohlenträger von der
Kohlenhandlung Heidemann, Bahnhofstraße 18. In der nachfolgenden Zeit verließen
immer mehr Bürger, Handwerker und Akademiker die Stadt in Richtung Westen. Im
Haus der Berliner Straße fand die Gründungsversammlung der FDJ statt. Frau Erika
Buggermann war dabei.
Aus der
Geschichte der Mark Brandenburg und des Barnim