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Aus der Geschichte der Feuerwehr Werneuchen

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

1899, Im August 1899 wurden in der Stadt Werneuchen auf einer Zusammenkunft aller Bauern Schutzmaßnahmen im Falle eines Brandes besprochen. In einer Sitzung der Stadtverordneten vom 29. August 1899 wurde daraufhin unter dem Tagesordnungspunkt 3, die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr Werneuchen beschlossen. 1. Arbeitspunkt war der Kassenabschluss und Punkt 2 die Beschaffung eines Desinfektionsapparates. Nach dem Versammlungsprotokoll hatte sich zuvor der Minister des Inneren mit der Aufforderung nach Gründung einer freiwilligen Feuerwehr an die Stadt gewandt. Als Ergebnis dieser Stadtverordnetensitzung wurde nun beschlossen: “diese Angelegenheit in nähere Erwägung zu ziehen...". So blieb erst einmal die Stadt Werneuchen bei seiner Pflichtfeuerwehr, die den Einsatz aller fähigen Einwohner bei der Brandbekämpfung von Bränden vorsah.

1908, Neun Jahre später schreibt die Kreiszeitung am 16. Oktober 1908 unter der Überschrift "Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr: „Da sich hierselbst, schon längst das Bedürfnis einer freiwilligen Feuerwehr herausgestellt hat, findet am Sonntag, dem 18 Oktober, nachmittags drei Uhr, im Hetzelschen Lokale eine Versammlung statt, in welcher der Brandmeister Spindler aus Erkner einen Vortrag über die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr halten wird". Der Abgeordnete des Brandenburgischen Feuerwehr Verbandes Spindler hatte bereits auf anderen Versammlungen benachbarter Orte, wie z.B. 1902 in Mahlsdorf erfolgreich für die Gründung von freiwilligen Feuerwehren geworben. Er schilderte an vielen Beispielen, die segensreiche Wirkung einer freiwilligen Feuerwehr, die schon in vielen anderen Ortschaften organisiert waren. Ebenfalls erläuterte er die Kostenfragen zur Bildung einer Ortswehr näher. Bei einer in dieser Versammlung gestellten Anfrage meldeten sich von den etwa 200 im Saal des Hotels Hetzel anwesenden Einwohnern 33 Herren sofort als aktive Mitglieder und erklärten noch dazu 20 der Anwesenden ihren sofortigen Beitritt als passive Mitglieder. Zum Schluss der Versammlung wurde eine baldige Anberaumung einer zweiten Versammlung zur Vornahme der Statutenberatung vorgeschlagen. Kurze Zeit später wurde in einer zweiten Versammlung in demselben Lokal die Wahl des Vorstandes und die Statutenberatung vorgenommen. Hierzu waren auch die Gemeindevertreter eingeladen worden. Kaum eine Institution jener Zeit erfreute sich damit in Werneuchen solcher Beliebtheit, Popularität und allgemeiner Wertschätzung, wie die neu gegründete Feuerwehr.

Noch im selben Jahr wurde nach einem Beschluss der Gemeinde die Wehr mit Uniformmänteln ausgerüstet. Die bereits vorhanden gewesene alte Handdruckspritze, welche ihren Standort neben einigen anderen Gerätschaften, wie Eimer, Leitern etc. im ältesten Spritzenhaus an der Breite Straße hatte,  wurde später in einen Wasserwagen umgebaut. Durch regelmäßige Übungen und Schulungen standen bei der Werneuchner Feuerwehr  bald eine mehr und mehr einsatzbereite und schlagkräftige Wehr zur Verfügung.

1909, Im Auftrage der Stadt begannen im Februar 1909, ausgeführt durch die Firma des Maurer- und Zimmermeisters Zimmermann, die Arbeiten zum Bau eines Spritzenhauses, wofür sie 2.628,60 Mark bewilligte. Die Kosten für die Ausrüstung der Feuerwehr wurden durch Spenden und die Stadt aufgebracht.

Das Foto von etwa 1910, zeigt das Spritzenhaus mit dem Spritzenturm am alten Feuerwehrgerätehaus oder auch Depot genannt. Hier wurden die Schläuche zum trocknen aufgehängt und es fanden Feuerwehrübungen statt.

 

Die Wehr Werneuchen gehörte in ihrer Gesamtheit dem 1. Unterverbande des Brandenburgischen Provinzial-Feuerwehrverbandes - Niederbarnim- Sitz Erkner an. Der Wehrbezirk der Stadt Werneuchen umfasste die Wehren in den Orten Willmersdorf, Weesow, Beiersdorf, Leuenberg, Seefeld, Löhme und Tiefensee. Im Süder erstreckte sich dagegen der Bezirk V mit den Wehren Alt-Landsberg und seinen Nachbarorten (insgesamt 15 Wehren).

Alle Dienstangelegenheiten wurden auf Grund einer Dienstordnung beschlossen in Erkner am 14. März 1910 geregelt. Diese wurde genehmigt vom Landrat des Kreises Niederbarnim am 6.4.1910. Diese Dienstordnung wurde den neuen Statuten angeheftet, die am 21.2.1914 beschlossen waren. Vom Kommando der Wehr Werneuchen wurde nun ein spezieller Dienstplan festgesetzt aud dem die einzelnen Übungen, Instruktionen und Versammlungen näher bekannt gegeben wurden. Hinzu kamen noch die Inspizierungen durch den Kreisbrandmeister, Alarmierungen durch den Gemeindevorsteher und den 1. Brandmeister, Wasserdruckproben usw.

Seit 1909 waren die aktiven Mitglieder durch die Brandenburgische Feuerwehrunfallkasse versichert. Die jährlichen Ausgaben lagen dafür unter 10 Mark. Der Unterhalt der Löschgeräte kostete etwa 100 Mark.

Der Steigeturm bzw. Schlauchturm in der Poststraße/Ecke Altstadt wurde errichtet. Im Turm wurden die Schläuche zum Trocknen aufgehängt und außen übte man mit den Steigleitern und Leinen den Erstfall. Die Feuerwehr wurde jährlich mehrere Male alarmiert. darunter auch einige Male für Hilfeleistungen in Nachbarorten. Bis 1912 verdoppelten sich die jährlichen Ausgaben für die Unterhaltung des Spritzenhauses und Spritzenturm, Löschgeräte und den Fernsprechanschluß für den ersten Brandmeister.

Das Foto zeigt das Spritzenhaus etwa 1910 mit dem Spritzenturm am alten Feuerwehrgerätehaus oder auch Depot genannt. Hier wurden die Schläuche zum trocknen aufgehängt und es fanden Feuerwehrübungen statt.


Sobald ein Feuer im Ort oder an einer anderen Stelle, deren Erreichbarkeit noch in den Wirkungskreis der Wehr lag, ausbrach, gab die Feuermeldestelle ein Signal mit der Hupe, bei der zuerst der Ausbruch eines Feuers bekannt wurde. Das Signal wurde von den Bürgern zur Warnung und den aktiven Mitgliedern zur Alarmierung und solange gegeben, bis den Beteiligten durch Überzeugung klar war, dass die aktiven Mitglieder der Wehr sich in Bereitschaft setzten. Außer Benachrichtigungs- und Ausführungssignalen, deren Kenntnis nur Wert für die aktiven Mitglieder hatten, gab es auch Hupensignale, die jeder Einwohner kennen mußte. Es bezeichneten 3 lange Töne Feuer im Ort, 2 lange Töne - Feuer außerhalb des Ortes und ein langer und ein kurzer Ton einen Wald- oder Wiesenbrand.

1914 Während der Kriegszeit sank die Anzahl der aktiven Mitglieder auf 10.

Die Radfahrer Abteilung

Über die Kriegsjahre des 1. Weltkrieges mit seinen Nöten ist uns bekannt, daß auch Mitglieder der Feuerwehr eingezogen wurden. Aus den verbliebenen aktiven Wehrmitgliedern wurde wegen des Mangels an einem Fahrzeug eine Fahrradabteilung auf freiwilliger Basis gebildet. Hintergrund: Die Spritze wurde noch von einem Pferd gezogen, welches erst geholt und angespannte werden musste. Mitglieder, die ein Fahrrad oder Motorrad zur Verfügung hatten konnten nun schon bei einer Brandmeldung als erstes am Brandort ankommen, noch ehe die Bespannung das Hauptdepot erreicht hat, waren diese Wehrmitglieder dann schon mit wirksamen Vorarbeiten vor Ort beschäftigt. Es standen dieser Abteilung sogar Motorräder zur Verfügung, die wie die Fahrräder, natürlich Privateigentum waren. Diese Abteilung soll sich mehrfach gut bewährt haben.

1921, Im Jahre 1921 gründete sich eine zweite Ortswehr in Rudolfshöhe. Kommandeur ist Oberbrandmeister Knebel  und  Brandmeister Ritman. (Weitere Wehrführer: Ernst Thies, Helmut Kiepke, Fredi Komoll, Günter Priefer, Wolfgang Zimmermann, Werner Knauerhase, Manfred Braun, Norbert Kloeß.) Das Gerätehaus befand sich im alten Wasserwerk in der Cheruskerstraße/ Ecke Zimbernstrasse (Breitscheidstraße/Ecke Rathenaustraße). 1921 tritt hier der spätere Brandmeister August Kallert der Feuerwehr Werneuchen bei. Nun bemühten sich die Wehren um die Errichtung elektrischer bzw. telephonischer Feuermelder. Doch solche Anträge wurden stets wegen der hohen Kosten abgewiesen. Trotzdem gab es mittlerweile viele neue Telefonanschlüsse in Werneuchen, so dass man von überall her mit der Feuerwehr telefonisch verbunden werden konnte. In diesem Zuge verschwanden die Hupen, welche nunmehr praktisch fast 10 Jahre im Gebrauch gewesen waren nach und nach.

1931, Im Jahre 1931 wurde ein Motorlöschzug feierlich in Dienst gestellt. Wenig später wurde der erste Probealarm ausgelöst.

1935, Im Jahr 1935 wurde eine neue Dienstvorschrift eingeführt. Neuerungen und Regelungen gab es in den Zuständigkeiten bei der Zusammenarbeit mit der Polizei bei Bränden und Unfällen und bei der Grußpflicht. Das Verhältnis und Zuständigkeiten zwischen Feuerwehr und SA und SS wurden neu geregelt.

Ernst Schmiedicke

1933-1945, Anfang der dreißiger Jahre wurde die Freiwillige Feuerwehr im nationalistischem Sinne umgruppiert und an die Spitze der Feuerwehr Mitglieder der NSDAP gestellt. Ihnen voran Bürgermeister Köhler, der 1945 in den Westen flüchtete. Die Freiwillige Feuerwehr wurde in die expansionistischen Ziele der damaligen Machthaber integriert. Viele der Kameraden wurden zur Wehrmacht einberufen und das Ergebnis war, dass einige Kameraden an der Front gefallen sind. Ein Kirchenbuch des damaligen Pfarrers Betke gibt herüber Auskunft. Wehrführer und Hauptmann der Feuerwehr Werneuchen war zu jener Zeit der parteilose Bauer Ernst Wiese. Als die angloamerikanischen Luftangriffe auf Berlin immer heftiger wurden, fuhr die Feuerwehr mehr und mehr auch zu Einsätzen nach Berlin, um dort die schrecklichen Brände zu bekämpfen und Menschen aus ihren Kellern zu befreien. Bei den Rettungsarbeiten explodierten Blindgänger, Häuser stürzten ein und die Arbeit war sehr gefährlich.

Viele der Männer waren an der Front und so taten jetzt auch Frauen "ersatzweise" Dienst in den Reihen der Feuerwehr. Heute eine Selbstverständlichkeit.

Nach Ende des 2.Weltkrieges musste u.a. auch in Werneuchen mit dem Wiederaufbau der Feuerwehr begonnen werden, da alles zerstört war und mittlerweile keine ausgebildeten Feuerwehrkameraden zur Verfügung standen. 

Ernst Wiese (vom heutigen Annenhof) war zu Kriegszeiten Hauptmann in der Feuerwehr Werneuchen. Er arbeitete mit viel Engagement. Der Bauer Ernst Schmiedicke (Altstadt 13) war sein Stellvertreter.

Neben den Feuerwehrstützpunkten in Amselhain und Rudolfshöhe und am Stadtpark gab es auf dem Flugplatzgelände der Jagdfliegerschule 1 ebenfalls eine Feuerwehr. Sie unterstand befehlsmäßig der Wehrmacht. Der aus zwei Fahrzeugen bestehende und für die damaligen Verhältnisse sehr moderne Löschzug war direkt am Flughafengebäude am "Tower" untergebracht. Das Tanklöschfahrzeug TS 2,5 war auf einem Henschel Fahrgestell mit Anhänger sowie ein weiteres Löschfahrzeug mit einer Kraftfahrzeugspritze und einem Schlauchanhänger war auf Mercedes-Benz- Basis gebaut. Zusammen mit der Flugplatzfeuerwehr der Fliegerschule I. verfügte die Stadt Werneuchen über die modernste und umfangreichste Feuerwehr des ganzen Kreises.

Das Feuerwehrgebäude auf dem Flugplatz steht heute noch. Ein Teil der Innenbauten hat sich bis heute erhalten.

1945, hieß es völlig neu anzufangen. Hunger und Seuchen rafften Einwohner und Flüchtlinge in Werneuchen hin. Einwohner wurden verhaftet und auch die Frauen der Stadt mussten unsägliche Leiden über sich ergehen lassen. Viele nahmen sich und ihren eigenen Kindern das Leben. Der Wehrführer der Feuerwehr Ernst Wiese verlor 1946 seine Frau Liselotte (geb. Wittsttock), die in der Typhusbaracke in der Landsberger Straße starb. Danach hängte er voll von Sorgen vor allen wegen der sich entwickelnden politischen Verhältnisse seinen Job an den Nagel, obwohl er aufgrund seiner tiefen Liebe zu seiner Heimatstadt als einer der wenigen großen Bauern der Stadt später nicht in den Westen emigrierte. Sein Stellvertreter Schmiedicke blieb ebenfalls in der Stadt.

1950, Ab 1950 wurde mit dem Aufbau des Kommandos Feuerwehr der Volkspolizei begonnen. In dieser Zeit wurde eine komplette Löschgruppe hauptamtlich eingestellt. 1959 wurde die Frauenfeuerwehr gegründet. Meistens handelte es sich um Frauen von Feuerwehrmännern. Bald zählte man 16 Mitglieder. 1971 löste sich die Frauenfeuerwehr nach und nach auf. Die alten Gründe: Heirat, Kinder, Familie, Ortswechsel ... 

Die Alarmierung der Feuerwehrangehörigen erfolgte über Sirenen. In den 80-ziger Jahren hatte die Feuerwehr über 50 Mitglieder. Mit der Mitgliedschaft in der Feuerwehr "retteten" sich so viele Bürger vor der "Kampfgruppe" und "Zivilverteidigung" in die Feuerwehr. So rettete die Feuerwehr im doppelten Sinne. Allerdings stellte man bei den ersten Inventuren in den 90-ziger Jahren nach der Wende fest, das der überwiegende Teil der Mitgliedschaften nur auf dem Papier bestanden. So genannte "Karteileichen also. 1991 wurde die Alarmierung mittels Sirene durch "Pieper" ersetzt.