Wer
kennt sie nicht: In Berlins ältester Kneipe "Zur letzten Instanz" in
der Waisenstraße 14-16 sollen
am Stammtisch vor dem 200 Jahre alten Majolika-Kachelofen
auch Napoleon Bonaparte (1769–1821) und in Erinnerung daran, der
französische Staatspräsident Jacques Chirac (* 1932) gesessen haben.
Doch es handelt sich hier um den so genannten Königin Luise Ofen aus
dem Wohnhaus in der
Altstadt 9 von Werneuchen.
Drehen
wir aber zunächst das Rad der Geschichte etwas zurück. Nach der verheerenden Niederlage der preußischen Armee bei Jena und Auerstedt
am 14. Oktober 1806 war das Monarchenpaar, König Friedrich Wilhelm III.
und Königin Luise, die sich vor der Schlacht in der Nähe der Armee aufgehalten hatten,
vor dem sofort weiter nach Berlin marschierenden Napoleon geflohen. Während der
französische Kaiser Napoleon zwei Wochen später in die Hauptstadt Berlin einrückte, reiste die
Königin ihren bereits nach Königsberg evakuierten Kindern im November von Berlin
aus nach. Ihr Weg nach Königsberg führte sie zunächst nach Werneuchen. Die Chausseestraße
endete damals in Werneuchen und der Weg führte weiter über
Beiersdorf.
Sie verließ Werneuchen auf dem Beiersdorfer Weg, wie die heutige
Altstadtstraße damals hieß. Aufgrund eines Radbruches an ihrer Kutsche musste sie auf halben Weg nach Beiersdorf
aber wieder umkehren. In der
Altstadt 9 befand sich zu diesem
Zeitpunkt die Ausspannung der Buggermanns. Hier wurden die Königin in
Empfang genommen. Die Pferde ausgespannt, versorgt und ein Radmacher mit der
Reparatur der Kutsche beauftragt.
Die Ausspannungen in Werneuchen waren auf Gäste zu jeder Zeit vorbereitet.
Natürlich hatte niemand mit so hohem königlichen Besuch gerechnet, aber auch in
der Vergangenheit hatte auf der Strecke von Berlin nach Königsberg schon so
mancher hohe Herr bzw. hohe Dame Quartier gemacht.
So wurde von Frau Buggermann die Königin in das vom Hof aus gesehen rechte
Zimmer des Wohnhauses Altstadt 9 geführt. Das geräumige Zimmer war damals mit
dem herrlichen
Majolika-Kachelofen ausgestattet, an dem sich die Königin
Luise an jenen kalten Novembertagen wieder aufwärmen konnte. In unserem
Städtchen hatte es sich nun mit Windeseile herumgesprochen. Die Königin
ist da, die Königin ist da. Nicht nur Kinder hatten sich wenig später
unweit des Hauses Altstadt 9 eingefunden, um dieses große Ereignis in
Augenschein zu nehmen.
Nachdem sich die Königin aufgewärmt hatte, machte sie einen Spaziergang im
damaligen Garten des Grundstückes. (Der Garten lag damals hinter dem Haus, auf
dem Platz, wo sich heute der Modafa Lagerplatz hinter dem Büro befindet.)
Hier standen vier mächtige alte Linden, die einen Gartenpavillon umgaben.
Links und rechts vom Eingang standen herrliche Rosenstöcke, die aber vermutlich
zu jener Jahreszeit im November keine prächtigen Rosen getragen haben werden.
Die Königin nahm im Pavillon Platz und ließ sich Cafe und Kuchen reichen. Dieser
Pavillon im Garten erlangte noch viele Jahre nach diesem Ereignis einige
Berühmtheit im Orte. Der Ofen an dem sich die Königin wärmte, wurde seitdem der
Königin Luise Ofen genannt und wurde seitdem von nicht wenigen Einwohnern
unserer Stadt in Augenschein genommen.
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