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Geschichte der Schmiede
Noch
in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts bestimmte die Dorfschmiede einen
Teil des Stadtlebens und damit die Kultur unserer Stadt. Der Schmied und
die Schmiede hatten innerhalb des Stadtlebens eine besondere Rolle. Doch
in unserer noch erhaltenen "Dorfschmiede" wird lange nicht mehr
gearbeitet. Das Schmiedefeuer wird nicht mehr wie in >alten Zeiten< zum
Schärfen von Werkzeugen und zum Formen von kunstvollen
Gebrauchsgegenständen regelmäßig angezündet und der Schmied beschlägt
keine Pferde mehr.
Die jetzt noch an der selben Stelle
liegende Schmiede war nach dem
Schoßbuch
von im Jahre 1624 vorhanden. Rund hundert Jahre später, im Jahre 1720
wurde sie von der Amtskammer an den damaligen Huf- und Waffenschmied Christian Hindenberg
„für 70 Tlr. Kaufgeld“ und 3 Tlr. Jährlichen Grundzins abgetreten.

Die Leistungen an den Schmied für dessen „Schärfarbeit“, nämlich ein
Scheffel Roggen von jeder Hufe, wofür er den Pflug und den Hüfnern zwei
Pferde in Beschlag hält, blieben bestehen. „Ihre übrige Arbeit bezahlen
sie stückweise“. Weiter waren sie auch verpflichtet die Holzkohlenfuhren für den
Schmied heranzufahren, der aber das bisher dabei gegebene „Mietsbier“
nicht mehr zu leisten hatte. 1869 ist die Ablösung dieser Leistungen
erfolgt durch Zahlung einer einmaligen Summe von 2500 Tlr. An den Schmied
durch die Gemeinde.
Die Schmiede
brennt nieder
Eine
schwere Feuersbrunst am 24. Februar 1816 um 9 3/4 Abends vernichtet
insgesamt 17 Gebäude darunter ein großer Teil des Pfarrgehöftes, die
Kirchenscheune, der Gasthof Richter, 1 Hüfnergut und 4
Büdnerstellen und auch die Schmiede, werden vernichtet. Die Schmiede wird an gleicher Stelle
mit einfachen Mitteln im Stile eines einfachen Nebengebäudes mit
vorhandenen Restmaterialien und einfachen gerade vorhandenen Baustoffen wiederaufgebaut.
Raumgreifend hat sich nun im
Erdgeschoss der alte restaurierte Schmiedeofen platziert.
Die Schmiede zur Jahrhundertwende
Inhaber der Schmiede war damals vermutlich
G. Grunow?. Er war verwandt mit dem Landwirten
Schmiedicke aus der
Altstadt 12, dem auch die
Altstadt 13 und
Altstadt 14 gehörte. Der August
Schmidicke war mit Friedericke Grunow verheiratet. Im Jahre 1895 feierten
beide "Goldene Hochzeit" (50 Jahre). Beide wohnten in der
Altstadt 12. Doch wer war G.
Grunow.
Im
Stammbaum der Schmiedicke haben wir ihn
noch nicht gefunden.
Um
1910 wird die Schmiede baulich, mit der Einrichtung einer Transmission,
damit die Maschinen per Flachriemen mittels Elektromotor betrieben werden
können, erweitert. Der Schwerpunkt des Schmieds lag damals nicht nur
im Hufbeschlag, sondern auch auf der Reparatur von
Landmaschinen wie Pflügen, Eggen etc. Zusammen mit einem
hiesigen Stellmacher wurden auch die damals üblichen
Wagenräder gefertigt. Da mittlerweile die Schmiede wieder zu klein war, und man
die Pferde draußen beschlagen musste, wurde ein
Schuppenvorbau an der rechten Seite gebaut. Nach dem Krieg wird 1950 ein
Elektroschweißgerät (Gleichrichter) beschafft. Die Ausrüstung ist jetzt
wieder auf dem aktuellen Stand der Technik. Getragen vom
Wirtschaftlichen Aufschwung waren die Auftragsbücher in den
50er Jahren etwas
voller als in der Zeit kurz nach dem Kriege. Der Meister hatte gut zu tun und viele Pferde zu beschlagen.
Aber nicht nur Hufbeschlag wurde betrieben, sondern auch alle
weiteren Metallarbeiten ausgeführt.
Die Nachkriegszeit
Der
letzte Schmied in Werneuchen war Hermann Schlicht. Er
hatte
das Geschäft bereits in zweiter Generation von seinem Vater übernommen und
wohnte in der Breite Straße 1a, während seine Eltern dann in der Breite
Straße 1 wohnten. Als er 1975 im Alter von über 70 Jahren starb, verkaufte
seine Tochter welche inzwischen in Berlin lebte, den Hof. Die
Schmiede wurde aufgegeben. Der neue Eigentümer vermietete die voll
eingerichtete Schmiede für 50 Ostmark monatlich an die so genannte
"Regiebrigade", die ihren Sitz in Werneuchen hatte. Die spätere
Beendigung des Mietsverhältnisses bedeutete auch das Ende der
historischen und kompletten Ausrüstung der Schmiede. Von der
sozialistischen "Regiebrigade"
wurden der
Amboss, Schweißgerät, Flaschenzug, Hufeisensammlung, alle Werkzeuge,
der Motor mit der Transmission, welcher den Blasebalg und Bohrmaschine
antrieb und alle Hufeisenrohlinge und Metalle, von den Mitgliedern der Regiebrigade gestohlen. Der Schleifstein, welcher ebenfalls über
Transmission angetrieben wurde, wurde zur Entsorgung zerschlagen. Der
Brunnen vor der Schmiede wurde zugeschüttet. Dabei sind auch Schwengel und Mechanik der Pumpe
hineingeworfen worden. Den Brunnen deckt jetzt eine Metallplatte und Rasen ab.
Die Schmiede heute
Heute
ist der bauliche Zustand der Schmiede nach Jahrzehnten des Leerstandes
bedenklich. Seit einiger
Zeit ist das Dach undicht. Am Gebälk,
den Balkenköpfen Dachsparren und den
Lehmstampfdecken sind inzwischen erhebliche Schäden entstanden. Die
Lehmstampfdecke ist an mehreren Stellen herunter gebrochen. Zu
den Feuchtigkeitsschäden kommen Befälle durch Anobien, Holzwurm und Hausbock.
I n
die Giebelseite wurden zur Jahrhundertwende, nachträglich
große
Eisenfenster eingesetzt. Dafür wurde erst ein Loch für das erste Fenster
in das Natursteinmauerwerk getrieben und ein Sturz eingesetzt und danach das
gleiche für das rechte Fenster ebenso ausgeführt. Dabei wurden das Mauerwerk in der Mitte
der beiden Fenster nicht verzahnt und die Statik des darüber befindlichen
extrem schweren Natursteinmauerwerkes verändert. Dadurch leitet sich die
Gewichtsaufnahme jetzt mehr seitlich ab: Ein Baufehler der schon 2 Jahrzehnte
später zur Rissbildung führte. Jetzt ist der Giebel im Zusammenspiel mit
dem einfallenden Dach inzwischen vom Einsturz bedroht. Der damals
nachträglich vorgenommene Einbau großer Sprossenfenster entsprach dem
Geist der Zeit. Außerdem muss man annehmen das das Gebäude nach dem Brand
von 1816 zunächst als Nebengebäude entstand und erst nach der
Fertigstellung der heute noch vorhandenen Wohngebäude zur Schmiede
umfunktioniert wurde.
Lage der Schmiede
Die Schmiede liegt
unweit der Kirche in zentraler Ortslage im historischen Stadtkern von
Werneuchen. Das Gebäude wurde etwa 1820 als Nebengebäude auf einem Hof
einer Ackerbürgerfamilie errichtet und später zur Schmiede umgebaut. Die
Schmiede wurde nach 1975 zum Verkauf aus einem vierseitig angelegten Hof der "Breite Straße Nr. 1" herausgelöst. Seitliche Fenster und Türen, sind
deshalb inzwischen vom jetzigen
Nachbargrundstück an zwei Seiten zugebaut, nicht mehr begehbar und somit nicht mehr sichtbar.
 
 

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Zeittafel zur Geschichte 1624
Die Schmiede wird im Schoßbuch erwähnt 1720
Die Schmiede wird von der Amtskammer an Christian Hindenberg verkauft
1816 Ein Grossbrand vernichtet
mehrere Gebäude, darunter die Schmiede
ab 1816, Wiederaufbau der Schmiede
1910 Bauliche Erweiterung der Schmiede mit der
Einrichtung einer Transmission, damit die Maschinen per Flachriemen
mittels Elektromotor betrieben werden können.
1925 Mittlerweile erfolgte
nicht nur Hufbeschlag sondern auch die Reparatur von Landmaschinen wie
Pflügen, Eggen. Zusammen mit einem hiesigen Stellmacher wurden auch die
damals üblichen Wagenräder gefertigt.
1937 Da mittlerweile die Schmiede wieder zu klein war,
und man die Pferde draußen beschlagen mußte, wurde 1930 ein Schuppenvorbau
gebaut.
1950 Ein Elektroschweißgerät (Gleichrichter) wird
beschafft. Die Ausrüstung ist jetzt auf dem aktuellen Stand der Technik.
1955 Getragen vom Wirtschaftlichen Aufschwung sind die
Auftragsbücher etwas voller als in der Zeit kurz nach dem Kriege. Der
Meister hatte gut zu tun und viele Pferde zu beschlagen. Aber nicht nur
Hufbeschlag wurde betrieben, sondern auch wieder alle weiteren
Metallarbeiten ausgeführt.
1970 Nach dem Tode des Schmieds wird die Schmiede
aufgegeben und der gesamte Hof verkauft.
1990 Die Schmiede wird aus dem Hof herrausgelöst und
wird verkauft. Seitdem Verfall

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