Von einem uralten märkischen Osterbrauch unseres Kreises: Das "Stiepen" in Freudenberg In Freudenberg waren es die Jungen und Mädchen, im Alter von 3-10 Jahre die zusammen am Ostermontag durch das Dorf zogen. Vorher hatten sich die Jungen Birkengrün (Birkenzweige mit grünen Blättern), die so genannten "Stiebruten" gebrochen. In einer Hand die Stiebrute, in der anderen einen Korb, ging es dann von Hof zu Hof. Klingeln gab es nicht, es ging auf den Hof und in die Häuser und dann riefen dieJungen:
" Stiepe- Stiepe- Osterei- gibst Du mir kein Stiebeei- stieb ick dir den Rock entzwei. Selten ging die Jungen- und Mädchengruppe leer aus und in den Körben fanden sich neben Eiern auch einige für die damaligen Verhältnisse wertvolle und reichliche Süßigkeiten. Zuletzt gab es das traditionelle "Stiepen" noch in den 60-ziger Jahren in Freudenberg. Das "Stiepen" in Werneuchen Das "Ostereierstiepen", umgangssprachlich meist nur "Stiepen" genannt, war ein alljährlich am 1. Osterfeiertag (Ostersonntag) ausgeübter Brauch der jungen Mädchen in Werneuchen. Hierfür wurden von den Mädchen schon ungefähr zwei Wochen vor Ostern einige Vorbereitungen getroffen werden. Es wurden "Zweige" von den Weiden an der Stienitz und des Fließes aus Weesow (Hoher Graben") geschnitten und zu Hause in Vasen mit Wasser gestellt. Natürlich interessierten sich die Mädchen untereinander für ihre Ostersträuche und so wurde sich oft untereinander gegenseitig erkundigt: "Hast Du dir schon deinen Strauch bereitgestellt?", "Wo hast Du dir deine Zweige geschnitten?"...
Die Weidenzweige mußten nun rechtzeitig zu Ostern ihre "Weidenkätzchen" austreiben. Am ersten Osterfeiertag zogen sich die Mädchen hübschere Kleider an und fanden sich dann mit ihren Sträußchen zu vorher verabredeter Zeit an der Stienitz ein, um sich dort zu "reinigen". Dabei durfte auf keinen Fall gesprochen werden. Die sich dabei regelmäßig etwas abseits einfindenden Jungen des Ortes, nutzen dabei jede Gelegenheit, um die Mädchen zu necken und ihnen das ein oder andere Wort zu "entreißen!". ..(Zu dieser Jahreszeit war es oft noch kalt, aber trotzdem wurden mit dem Quellwasser Gesicht und Hände "gereinigt". War doch jeder im Ort daran gewöhnt, sich mit kaltem Wasser zu waschen. Warmes Wasser gab es meistens nur Abends vom Herd oder bei reicheren Bürgern schon von Badeöfen.) Nach der Prozedur liefen die Mädchen durch die Stadt gingen auf die Höfe und in die Häuser und riefen auch mal "frech".. " Stiepe, Stiepe Osterei- gibst Du mir kein Kackelei- hau ich dir den Po entzwei-. Gab dann die Bäuerin oder auch der Landwirt Süßigkeiten und ein oder mehrere Hühnereier, gab es zur "Belohnung" auch etwas vom gepflegten Osterstrauch.
Viele Eltern, insbesondere bei den Neuzuziehenden der wachsenden Stadt Werneuchen in Amselhain, Rudolfshöhe und Stienitzaue hatten kein Verständnis für das hiesige Osterspiel der Kinder. Für sie war dies "Bettellei" und so verboten sie ihren Kindern daran teil zu nehmen. Durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre verlor sich mehr und mehr der Brauch und die jungen Mädchen "eingesessener" Familien beschränkten sich dann auch nur auf die ihnen bekannte Ackerbürgerschaft. Zuletzt wurde nur noch von einer "Handvoll" junger Mädchen in den 50-zigern und nur noch bei befreundeten Familien geklopft. Hier soll zuletzt Dampfmüller Thürling, Bauunternehmer Tiebel, Bauer Wiese und Bauer Thürling noch besonders großzügig gewesen sein.
Neben dem "Stieben" wurde in Werneuchen auch alljährlich am Tag der Sonnenwende traditionell ein Feuer entfacht. Die heutigen Osterfeuer gab es damals nicht. In Werneuchen fand das Ereignis auf der Landsberger Straße am Kuckuksber statt, der früher wohl auch Bullenberg geheißen hat.In beiersdorf wurde das Sonnenwendefeuer auf dem Taschenberg, rechts neben einem dort früher befindlichen Pfuhl angezündet. |