Bagger fahren an, Holz splittert, Wände stürzen ein. Nach zwei Tagen ist von der Fabrikantenvilla der Dampfmühle nur noch ein großer Haufen Steine übrig. Mächtige LKW´s bringen jetzt den Schutt weg.
Einst war man sehr stolzin Werneuchen, als die damals moderne Dampfmühle etwa 1903 in Werneuchen eingeweiht wurde. Auf dem Weg von und nach Beiersdorf staunte der Spaziergänger über die schöne Anlage, welche u.a. der Stadt mit ihren Bürgern Lohn und Arbeit versprach.
In den Wirren der Wendezeit fiel dieses Objekt, ebenso wie viele, viele Hektar Ackerland, Fabrikanlagen und Gebäude aus dem kollektiven Volksvermögen in die Hände der Märkischen Futter GmbH. Die ließ seitdem die Fabrikantenvilla leerstehen.
Der historische Baubestand in den Städten und Dörfern ist ein wertvolles bauliches Erbe. Investitionen in die Sanierung dieser meist architektonisch reizvollen Gebäudeensembles sind immer auch Zukunftsinvestition in die wirtschaftliche Entwicklung unserer Städte.
Hier waren die Besitzer der Märkischen Futter GmbH nicht willens,die reizvolle und einst aufwendig errichtete Villa eines Fabrikanten zu erhalten. Obwohl lediglich das Dach des Türmchens einschließlich der gewendelten Treppe beschädigt war, konnte man sonst im eigentlichen Gebäude kaum wesentliche bauliche Schäden feststellen.
Der Dachstuhl und das Dach befanden sich in guter Erhaltung. Abgesehen vom Turm war das Haus trocken und in guter Erhaltung.
Die großzügig mit Einbauten versehenden Räume waren, wie aus den Fotos ersichtlich, reich mit Einbauten und Mobiliar versehen. Die trockenen Kellerräume waren etwas mit Sperrmüll angefüllt. Sicher: an der Erneuerung von Fenster, Heizung, Dach und Türen, wäre man nicht vorbeigekommen.
Der Treppenaufgang zum Turm gehörte gewiss zu den schönsten Treppenhäusern im Landkreis. Die alten Malereien hätten erhalten bleiben müssen und das Haus hätte unter Denkmalschutz gestellt werden müssen. Es handelte sich um einen besonderen und seltenen Treppenaufgang. Die Farbe war zwar schon duster, vergilbt und teilweise beschädigt. Gerade im oberen Teil des Turm war durch das undichte Dach ein grosser Teil auch der Treppe beschädigt. Hätten die Besitzer vor dem Abriss die entsprechende Behörde eingeschaltet und hätte man in einem Gutachten feststellen lassen was schützenswert ist, wäre uns auch die seltene Wandgestaltung, das gedrechselte alte Treppengeländer und der Türschmuck aus jener Zeit erhalten geblieben. Würde es einmal einen Tag des offenen Denkmals in Werneuchen geben, hätte die Villa ihren zweiten Platz hinter dem Gutshaus Werneuchen bekommen.