Die Ansicht zeigt links das direkt an der Straße liegende lang gestreckte Gebäude der Poststation um 1900 und rechts im Bild ein Zahnarztgeschäft (zuletzt Schreibwarengeschäft Elsholz) Breite Straße/ Ecke Berliner Straße.

An der platzartig verbreiterten Berliner Straße mit dem schlossartigen Gutshaus, dehnte sich noch bis 1913 das lang gestreckte Posthaus, das überall in der Umgebung bekannt war. Denn im Zeitalter der Chausseen, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und schon vorher im 18. Jahrhundert, war Werneuchen die erste und der wichtigsten Poststationen für die Extra- und reitenden Posten nach Königsberg und Moskau. Der Postmeister musste hier oft bis zu 200 Vorspannpferde an einem Tage stellen und auch die zahlreichen Vorgärten von Häusern im weiteren Straßenverlauf wurden damals zum Ausspann benutzt.

Die Petitjeans

Der Post unterstand der Reiseverkehr, die Postwärter trugen die Verantwortung, hatten für die die Bereitschaft von Gespannen zu sorgen und bezogen daraus ihre Vergütung. In den Hauptbetriebszeiten sollen in Werneuchen täglich 200 Pferde zum Gespannwechsel benötigt worden sein. Bereits 1814 mussten allein im Dienst der Post 38 Pferde gehalten werden, die zu keinem anderen Zweck verwendet werden durften. Sobald mehr gebraucht wurden, mussten andere Pferdebesitzer aushelfen. Durch diese Geschäftstüchtigkeit brachte es nun die hugenottische Familie Petitjean zu Reichtum und Anerkennung. Auch in einem amtlichen Schreiben des Königlich Preußischen Land- und Stadtgerichts Altlandsberg im Jahre 1843 wird die Familie als "notorisch wohlhabend" bezeichnet. Man sprach von zwei Millionen Mark, den 4 Pfarrhufen mit über 220 Morgen und der 1 Kirchenhufe mit annähernd 79 Morgen (die später im Zuge der Reallastenablösung den Erbpächtern übereignet wurden) allmählich weiteren Ländereien, noch 2 Fünfhüfnergüter, noch 1 Dreihüfnergut und eine halbe Büdnerstelle. Dieses Vermögen legte den Grundstein zu dem schließlich mit rund 3000 Morgen entstehenden großen Gut Werneuchen.