Aus der Geschichte von Wesendahl
Die Siedlung Wesendahl wird im Jahre 1300 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sie muss damals bereits als deutsches Dorf vollkommen eingerichtet gewesen sein, denn sie besaß schon eine Kirche, deren Patronat Markgraf Herrmann durch die zu Spandau am 26. Februar 1300 ausgestellte Verschreibung dem Spital zu heil. Geist bei gedachter Stadt zuwandte. Damals Wesendale genannt, findet sich der Ort im 17. Jahrhundert unter der Bezeichnung Wiesenthal, nimmt aber in neuerer Zeit den Namen Wesendahl an, wie auch das noch vorhandene Rundsiegel "Siegel des Schulzenamtes" zu Wesendahl" ausweist, das übrigens als Siegelbild eine Wage mit der Unterschrift "So Ordnung und Recht" zeigt.
Der schlesische Ort Wiesenthal hieß 1436 auch Wesental und sagt man das diese Bezeichnung die Lage im Westen - gegenüber Osten des Begriffes für den Aufgang der Sonne - andeute. Das Wesendahler Gebiet ist bereits in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt gewesen. Nordöstlich vom Dorf liegt am Abhang des Kesselseeberges in dem ehemaligen gleichnamig benannten Witschaftsfelde, ein größeres vorgeschichtliches Gräberfeld, das seit 1880 mehrmals untersucht worden ist und Urnenfunde aus der letzten Bronzezeit lieferte.
Die Kirche
Die Wesendahler Feldsteinkirche gehört zu den ältesten des Kreises, sie zeigt noch romanische Türbogen. Die Fensteröffnungen sind vergrößert und spitzbogig bei der Renovation des Jahres 1883 ausgebrochen. Schon 1736 hatte sie durch eine grundlegende Veränderung im Inneren und Äußeren eine andere Gestalt angenommen. Die Turmmauern haben eine Stärke von 1,80 bis 2,30m. Die Helmspitze hat Schieferbedachung. Die mit Unzial buchstabenschrift gezeichnete älteste Glocke stammt aus der Frühzeit der Kirche und ist durch die Stürme der Hussitenzeit sowie des dreißigjährigen Krieges hindurch gerettet worden, obschon in letzterem Dorf und Kirche zerstört wurden. Die 1883 gesprungene und durch eine Gußstahlglocke ersetzte Bronzeglocke trug folgende Inschrift:
Anno 1682 habe ich Emerentia Tugendreich von Krummensee, geb. Wedelin, verwitwete Oberstleutnantfraue auf Wiesenthal und Hirschfelde, diese Glocke Gott zu Ehren und der Kirche zum Besten, meiner und den Meinigen zum stets währenden Andenken umgießen lassen. Durch mein Geläute rufe ich die Leute, dass sie mich hören. Johannes Pascha, Prediger daselbst."
Die nach dem Landbuch von 1375 mit 4 Hufen dotierte Pfarrkirche, gehörte nach der Brandenburgischen Bistumsmatrikel von 1459 zur Sedes Strausberg. 1834 waren die Kirchenländereien, 32 Morgen 116 Quadratruten, in Zeitpacht ausgetan "den Pfarracker, inkl. eines Stück Land im Dorfe, worauf ehemals der Pfarrhof gestanden, hat die Gutsherrschaft in Erbpacht." Sie war anfänglich Mutterkirche mit Buchholz als Tochterkirche. 1630 wurde Pfarrer Christian Faber alias Schmidt aus Strausberg nach Wesendahl berufen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist die Selbstständigkeit der Kirche aufgelöst und Wesendahl zu Gielsdorf gelegt worden. 1805 kam es zu Altlandsberg. Bei dem großen Gutshausbrand des Jahres 1714 sind auch die ganzen Kirchenbücher ein Raub der Flammen geworden. Das an sich schmucklose Kircheninnere enthält die schon erwähnten, früher in die Rückwand des Altars eingelassenen Bildnisse Hans von Krummensees aetetis suae 47 und seiner Gemahlin Marie von Borcksdorf (Burgsdorf) aetetis suae 39-1589; darüber Wappentafel mit Schiff. Über dem Wappen der Krummensees am Heerschaftsstuhl dasjenige der Familien von Rudolphi und Brösicke. Darüber sind Rüstungsgegenstände, Ritterhelm mit Eisenhandschuhen angebracht. An der Wand nach dem hohen Chor ein mittelalterliches Bild (Verkündung der Hirten?) Auf dem Kirchhof rechts das von Rudolphische Erdbegr4äbnis-1904 wurde beim ausschachten für ein neues Grab bei den Überresten einer außerordentlich großen weiblichen Leiche eine Bernsteinkette gefunden, die im Berliner Märkischen Museum aufbewahrt wird. Bereits seit dem 15. Jahrhundert bestand für die Pfarre eine enge Verbindung mit Berlin, denn bei der Gründung des Kölner Domstiftes wurde diesem 1465 auch die Pfarre zu Wezendael "samt den ligungen und lehenschaften, auch allen und jeglichen ihren Zugehörungen und Gerechtigkeiten" zugeteilt.